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Auszug aus der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum des Pfälzerwald-Vereins Hauenstein
1902 wurde der Pfälzerwald-Verein e. V. in Ludwigshafen/Rhein gegründet. Der Verein hat seinen Sitz in Neustadt/Weinstr. Zu seinen Aufgaben gehören der gesamten Bevölkerung – vor allem seinen Mitgliedern – das Wandern zu erleichtern, die Kenntnis seines Wandergebietes zu erweitern, naturverbundene Freunde zu gewinnen und bei jung und alt die Liebe zur Heimat zu wecken und zu vertiefen. Die Ziele sollen insbesondere erreicht werden durch Wanderungen aller Art, Anlagen und Verbesserung von Wanderwegen und Wegebezeichnungen, Schutzhütten, Aussichtspunkten und Ruheplätze, Naturschutz und Landschaftspflege als Daseinsvorsorge für die Allgemeinheit und als wesentlicher Bestandteil des Umweltschutzes, der Landschaftspflege, Weckung und Pflege des Sinnes für Heimat und Volkstum, vor allem in der Jugend, heimatkundliche Vorträge und Lehrwanderungen.
In den folgenden Jahren entstanden immer mehr Ortsgruppen.
1913 am 08. März wurde die Ortsgruppe Hauenstein von 21 Bürgern im Gasthaus „Pfälzerhof“ gegründet.
Einige Tage später wird der erste Wanderplan festgelegt. Die erste Tour führt zum Lindelbrunn, Bewartstein und Drachenfels, Ziele die von besonderer heimatkundlicher Bedeutung waren. Diese Wanderstrecke betrug 22 km. Es folgten Wanderungen zum Luitpoldsturm, die Wegelnburg (28 km) und viele mehr. Am Ende des Wanderjahres gab es für die fleißigsten Wanderer das goldene Wanderabzeichen.
Man stellte damals einen Vereinsdiener an, der pro Jahr fünf Mark „Entschädigung“ zugesprochen bekam.
Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges am 01.08.1914 kam das Vereinsleben zum Erliegen. Am 16. April 1914 wurde der letzte Eintrag der Ausschusssitzung vorgenommen. Erst acht Jahre später, am 16. Februar 1922, wird im Nebenzimmer der Gaststätte „Schwanen“ der Verein wieder gegründet. Die anwesenden 23 Mitglieder wählten Julius Graf (Vorstand), Max Gauly (Schriftführer), Albert Kaiser (Rechner), Julius Maginot (Abgeordneter für den Hauptausschuss), Aloys Seibel jr., Franz Seibel und Karl Schwarzmüller (Wanderausschuss), Josef Seibel und Franz Kühlmeyer(Rechnungsprüfer). Insgesamt hat der Verein 55 Mitglieder.
Im folgenden Jahr bietet man nicht nur 12 Wanderungen mit einer Wegstrecke von 16 bis 40 km an, es wird auch ein „Unterhaltungsabend mit Ball“ durchgeführt.
Eine seltsame Eintragung findet sich im Protokoll zur Generalversammlung am 09. Januar 1924: „… es wurde ferner von Seiten der Versammlung der Beschluß gefasst, daß im Laufe des Jahres 1924 kein männliches Mitglied aufgenommen wird. Für Damen gilt dieser Beschluß nicht…“ Noch im gleichen Monat wurde ein Winterfest durchgeführt, über das im Protokollbuch so berichtet wird: „im herrlichen geschmückten Saale bei Wirt Meyer veranstaltet der PWV ein Fest. Nachdem die gut besetzte Musikkapelle die Gäste mit einem kräftigen Marsch zur Begrüßung erfreute, wiederholte dieselbe Vorstand Graf in einigen Worten. Die Hauptunterhaltung bestand darin, kräftig das Tanzbein zu schwingen und kam bestimmt ein jedes zu seinem Recht. Während einer Pause wurde den tapferen Wanderern das goldene Abzeichen unter einem donnernden „Waldheil“ verabreicht. Zur Verschönerung des Abends wurden von Herrn Schmitt Otto und Seibel Franz einige Couplets wirkungsvoll zum Vortrag gebracht. Herr Seibel Franz hatte außerdem noch die Aufgabe gestellt, mit seinen Selbstdichtungen einige Lachsalven hervorzurufen. Unter anderem schilderte er in Gedichtform den Kampf des Pfälzerwald-Vereins mit den Dahner Gerichtsherrn in humoristischer Weise. Nachdem verschiede Lieder mit Tanz und Musik abwechselten und sich ein jedes gut amüsiert hatte, konnte jedes in süß-freudiger Stimmung den Heimweg antreten mit dem Vorsatz, auch im kommenden Jahr treu zu sein dem Pfälzerwald-Verein.“
Höhepunkt des Vereinsjahres 1924 war sicherlich die Teilnahme mit einem Festwagen beim Heimatsonntag am 20. September in Karlsruhe. Manche Beschlüsse des Ausschusses erscheinen einem heute rätselhaft, z. B. dass jedes Mitglied mindestens 18 Jahre alt sein musste. Über eine Neuaufnahme wurde von der Mitgliederversammlung schriftlich abgestimmt. Es soll übrigens so gewesen sein, dass neue Mitglieder Telefon und Bankkonto besitzen und zwei Bürgen aufweisen mussten. Wollte man „unter sich“, exklusiv bleiben? Auch dies gab es: „ … Nachgenannten Personen wurden wegen ungebührlichem Verhalten aus dem Verein ausgestoßen …“. Wer einmal ausgetreten war, konnte nicht mehr neu aufgenommen werden – dieser Beschluss wurde drei Jahre später wieder aufgehoben. Das Jahresabschlussfest wird fester Bestandteil des Vereinslebens, 1925 wurde es von der Gesangabteilung des Vereins, einem Theaterstück und dem Annweilerer Orchester umrahmt. Zum Kreuzfelsen wird ein Fußpfad angelegt, vier Bänke werden aufgestellt, man bringt an acht markanten Punkten Wegschilder an und geht Gemeinderat und zuständiges Forstamt an, den Aussichtspunkt „Felsentor am Neding“ zu erschließen. Vom Hauensteiner Bahnhof wird ein Fußpfad angelegt und der Verein wendet sich an das Bürgermeisteramt, weil „Bubenhände“ den Kreuzfelsen beschädigen, man fordert strenge Bestrafung.
Die Generalversammlung 1928 begann wegen schlechten Besuches erst 21.30 Uhr. Bei der Wanderbeteiligung wurde eine „erstaunliche Faulheit“ verzeichnet, es gab Wanderungen mit nur 3 Teilnehmern, die Mitgliederzahl war auf 53 gesunken, erst nach langem hin und her findet man einen Vorsitzenden. Die Anwesenden verpflichten sich am Ende der Versammlung „den Verein hoch- und durchzuhalten.“ Der Chronist hielt fest: „hoffentlich wird es im kommenden Jahr wieder besser, ist es doch über alle Maßen bedauerlich, dass das Interesse an unsere edlen und schönen Sache so sehr nachgelassen hat“. Zwar treten 1929 16 Wanderfreunde in den Verein ein, aber ansonsten hat sich des Chronisten Wunsch nicht erfüllt, die Wanderbeteiligung nahm noch weiter ab. Trotzdem geht das Vereinsleben weiter. Am 09. Februar wird im Saale von Max Meyer ein „Winzerfest am Rhein“ gefeiert, man hält Monatsversammlungen ab, lässt beschädigte Bänke reparieren, Markierungen werden erneuert und von 17 Herren, die in den Verein eintreten wollen, werden 16 aufgenommen. Für die Zeit von 19931 bis 1936 finden sich im Protokollbuch keine Eintragungen, das Mitgliedsbuch hält jedoch in diesen Jahren die Mitgliederzahl fest: 1931 46 Mitglieder, 1935 34 Mitglieder.
In den Jahren 1936 und 1937 werden die Hauptausflüge nach Landstuhl und Winnweiler durchgeführt. Man beteiligt sich an Sternwanderungen nach Worms und Grünstadt, eine Fahrt führt von Altenbaumburg zum Rheingrafenstein, im Schnitt nahmen 16 Personen an den Wanderungen teil. Zwei Wanderungen mussten wegen der Maul- und Klauenseuche ausfallen. Erstmals wurde einem Mitglied für 25jährige Vereinstreue das Jubiläumsabzeichen überreicht, Oberinspektor Julius Maginot war das treue Mitglied. Dank der Bemühungen des Vorstandes Julius Graf war es 1937 noch gelungen, dass der Hauptverein die Kosten für den Bau eines Wanderweges übernahm, der von Hauenstein zum Bärenbrunnerhof führt.
Im Jahr 1938 wurde auf Veranlassung des Hauptvereins der Wanderweg Kreuzfelsen – Bärenbrunnerhof verändert und der Wanderweg zum Neding ausgebessert, 11 Personen, darunter 3 Frauen, treten in den Verein ein.
Am 21. Januar 1939 findet sich im Protokollbuch des Vereins der Bricht einer Ausschusssitzung, dann schweigt der Chronist, im Mitgliedsbuch häufen sich die Vermerke „eingerückt“, „Wehrmacht“. Vier Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges normalisiert sich wieder das Leben. Am 14. Mai 1949 findet eine Wiedergründungsversammlung des Hauensteiner Pfälzerwald-Vereins statt, man wählt die Vorstandschaft, 14 Mitglieder werden neu aufgenommen, der Jahresbeitrag wird auf 4,00 DM festgesetzt. Am Jahresende zählt der Verein bereits wieder 40 Mitglieder.
Bereits 1950 wird eine Omnibusfahrt nach Deidesheim organisiert, wegen Überfüllung können 10 Wanderfreunde an der Fahrt nicht teilnehmen. Bei einer Wanderung zum Hermersbergerhof wird der Wanderweg markiert, drei Bänke werden aufgestellt und 17 Wanderfreunde können mit dem Wanderabzeichen ausgezeichnet werden. Nicht nur die Wirtschaft der jungen Bundesrepublick geht aufwärts, auch unsere Ortsgruppe: Bei der Generalversammlung 1952 könne 44 Anwesende begrüßt werden, die Vereinskasse weißt ein Plus von 337,30 DM aus, die Wanderbeteiligung war sehr gut und dem Verein gehören 100 Mitglieder an.
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